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Wirtschaftswachstum von Spanien und der Türkei 1997 bis 2013(est) (klicken zum vergrößern) |
Die Türkische Volkswirtschaft wächst im Moment dynamisch, an sich ist an hohen Wachstumszahlen nichts auszusetzen, aber die Frage wie diese zustande kommen muss gestellt werden. Denn bei allem, bei Aktien, bei Popsternchen, bei Immobilienpreisen und bei Volkswirtschaften kann gelten: Was schnell hoch geht, kommt schnell runter. Daher ist die alleinige Betrachtung von hohen Wachstumszahlen als positives Zeichen vielleicht etwas zu unkritisch und sollte mit anderen Beobachtungen angereichert werden. Da nun bekannt ist, das die Nachhaltigkeit des spanischen Aufschwunges bis 2007 nicht allzu Nachhaltig war, möchte ich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Türkischen Wachstum aufstellen.
Hohes Wirtschaftswachstum
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Vergleich Wirtschaftswachstum Deutschland & Spanien 97-07 Deutschland & Türkei 02-12 |
Hohe Jugendarbeitslosigkeit
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Jugendarbeitslosigkeiten im Auf- schwung in Spanien und der Türkei (zum vergrößern klicken) |
hohe Private Verschuldung bei geringer Staatsverschuldung
Weil im Zuge der Eurokriese viele auf die Staatsverschuldung schauen, und die Prozentzahl der Staatsverschuldung in Relation zum Bruttoinlandsprodukt in den Medien genannt wird, vergisst man gerne das auch Private Schulden eine Bürde für eine Wirtschaft sind, da Sie in einer schlechten Wirtschaftsentwicklung die Auswirkungen verstärkt. In der Türkei ist die Verschuldung der Privaten Haushalte eklatant gestiegen. Zwar ist die Verschuldung der türkischen Bevölkerung in Relation zum Einkommen geringer als in vielen EU-Staaten, jedoch steigt Sie in enormen Schritten, trotz des hohen Einkommenswachstums. Wenn man bedenkt das ein großer Teil des Einkommens im Binnensektor erwirtschaftet wird, dann kann dies ein Hinweis auf ein Schneeballsystem haben, weil die Einkommen nur deshalb wachsen, weil die Kunden sich verschulden, und zwar schneller als ihre Einkommen steigen. Auch in Spanien war die Staatsverschuldung gering, in Relation zum Bruttoinlandsprodukt rückläufig, bis zur Kriese in 2008.robustes Bevölkerungswachstum, dadurch die Idee eines wachsenden Binnenmarktes
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Bevölkerungswachstum von Spanien (1997 - 2007) und der Türkei (2001 - 2011) |
Außenhandelsstruktur
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Dienstleistungsbilanz (positiv) und Handelsbilanzdefizit (negativ) in der Türkei und Spanien (2001 bis 2011) |
Sowohl Spanien als auch die Türkei haben Überschüsse in der Dienstleistungsbilanz, welche vor allem davon kommen das beide Länder Urlaubsländer sind, also mehr ausländische Personen (gemessen / gewichtet am Umsatz) in Spanien beziehungsweise der Türkei Urlaub machen, als Spanier bzw. Türken im Ausland Urlaub machen.
Den Überschüssen in der Dienstleistungsbilanzen stehen Defizite in den Handelsbilanzen gegenüber, was bedeutet, das beide Länder mehr Güter importieren als exportieren. Die Handelsbilanzdefizite stiegen bis 2008 in beiden Ländern enorm, in der Kriese 2009 fielen Sie sowohl in Spanien und der Türkei. Da in der Türkei jedoch sich die Wirtschaft erholt hat, stieg der Konsum auch wieder, was das Handelsbilanzdefizit erhöht hat. Die Summe aus Handelsbilanz und Dienstleistungsbilanz ist die Leistungsbilanz, welche durch Übertragungen (Entwicklungshilfe, oder Überweisungen von Exilbürgern) und/oder ausländischen Krediten finanziert werden. In der Grafik sieht links sieht man die Überschüsse Dienstleistungsbilanzüberschüsse und Handelsbilanzdefizite von Spanien (Blau) und der Türkei (Schwarz) in den letzten 10 Jahren. Die Zahlen sind absolut und in USD. Es ist also zu bedenken das das Spanische BIP größer ist, als das von der Türkei. Momentan 2011, ist es etwa 90% höher als das der Türkei, also fast doppelt so groß. Gewichtet nach dem BIP fallen also sowohl Handelsbilanzdefizite als auch Dienstleistungsbilanzüberschüsse entsprechend geringer aus, wie im folgenden Abschnitt erläutert wird.
Den Überschüssen in der Dienstleistungsbilanzen stehen Defizite in den Handelsbilanzen gegenüber, was bedeutet, das beide Länder mehr Güter importieren als exportieren. Die Handelsbilanzdefizite stiegen bis 2008 in beiden Ländern enorm, in der Kriese 2009 fielen Sie sowohl in Spanien und der Türkei. Da in der Türkei jedoch sich die Wirtschaft erholt hat, stieg der Konsum auch wieder, was das Handelsbilanzdefizit erhöht hat. Die Summe aus Handelsbilanz und Dienstleistungsbilanz ist die Leistungsbilanz, welche durch Übertragungen (Entwicklungshilfe, oder Überweisungen von Exilbürgern) und/oder ausländischen Krediten finanziert werden. In der Grafik sieht links sieht man die Überschüsse Dienstleistungsbilanzüberschüsse und Handelsbilanzdefizite von Spanien (Blau) und der Türkei (Schwarz) in den letzten 10 Jahren. Die Zahlen sind absolut und in USD. Es ist also zu bedenken das das Spanische BIP größer ist, als das von der Türkei. Momentan 2011, ist es etwa 90% höher als das der Türkei, also fast doppelt so groß. Gewichtet nach dem BIP fallen also sowohl Handelsbilanzdefizite als auch Dienstleistungsbilanzüberschüsse entsprechend geringer aus, wie im folgenden Abschnitt erläutert wird.
Hohes Leistungsbilanzdefizit
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Leistungsbilanzen von Spanien und der Türkei in Relation zum Bruttoinlandsprodukt |
Festzuhalten ist, das die Türkei sich in den letzten Jahren dynamisch entwickelt hat, jedoch im Gegensatz zu vielen anderen Schwellenländern hinter diesem Wachstum wesentlich mehr Fragezeichen in Bezug auf seine Nachhaltigkeit stehen.
Bei Fragen oder Anregungen bitte kommentieren
Mit freundlichen Grüßen
Tim Leuther
Post Scriptum (14.06.2013)
Werbespot in Spanien für die Wahl 2008 um die Stimmung die die Regierung vermittelte zu verstehen, die scheint sehr der Stimmung in der Türkei jetzt zu ähneln. Also die Gezi-Proteste weggedacht, die "ökonomische" Stimmung ist gemeint
Der Kommentar wurde von einem Blog-Administrator entfernt.
AntwortenLöschenDanke für diese interssante Zusaammenstellung.
AntwortenLöschenEiniges davon hatte ich schon lange im Sinn, wenn ich mich z.B. der Frage widemete, ob die phantastischen Wachstumszahlen aus USA real sind.
Ich hatte mir - entgegen der Ökonomie der Professoren und (Noten-)Banker folgende Rechenweise überlegt: Wirtschaftswachstum = offizielles Wachstum minus Neuverschuldung minus Anstieg der privaten Verschuldung, das Ganze dann auch noch in Relation zu dem Bevölkerungswachsumg gestellt - also auf Wachstum pro Kopf. Die Bevölkerung Deutschlands schrumpft pro Jahr um ca. 0,5%, die der USA und der Türkei wächst um 1,0%. Diese Differenz von 1,5% ist ja an sich schon enorm. Streng genommen müsste man noch den Staatsverbrauch für den Bau von Gefängnissen etc. in den USA oder der Umverteilung via Photo-Voltaik-Förderung in D angemessen herausrechnen. Außerdem noch die Infaltionsberechnung durch den sog, hedon. Ansatz (verbesserte Elektronik-Produkte werden zum theor. Preis eines solchen Produkts 1 Jahr vorher berechnet), usw...
[Anmerkung: Das ist eine Kopie, unter dem Post war deien eMail-Adresse, ich glaub das war ein versehen das die mit erschienen ist, daher hab ich dein Kommentar gelöscht, oben steht 1:1 das gleiche.]
Welche Faktoren man aus dem Wirtschaftswachstum herausrechnet kommt immer auf die Zielsetzung drauf an. Als potentieller Investor ist einem auch ein Wirtschaftswachstum das allein durch Bevölkerungswachstum entsteht "genug".
LöschenDenn ob man statt 1 Stück [Produkt] an einen Menschen zu verkaufen
A) -> jeweils ein Stück [Produkt] an zwei Menschen verkauft
B) -> zwei Stück [Produkt] an einen Menschen verkauft
kann einem erst einmal egal sein, in beiden fällen verkauft man mehr.
Aber Sie haben recht: Wenn man nicht Investor sondern Konsument ist, dann interessiert einem der Wohlstandszuwachs. Und der ist (wenn man meint BIP ist der Maßstab) der BIP pro Kopf, nicht absolut. Daher befindet sich die Türkei bei einem Wirtschaftswachstum unter 1,16% in der "Rezession" was den Lebensstandard angeht. Es heißt nicht direkt Rezession, denn die Rezession bezieht sich auf das Inflationsbereinigte absolute BIP. Bei den USA ist das Bevölkerungswachstum bei ~0,7%. Deutschlands Bevölkerung schwankt, ich würde sagen unterm strich sinkt sie nicht und steigt sie nicht. -0,5% ist aber sicher eine sehr große Schrumpfung. Vielleicht kommt die in der Zukunft. Im Moment ist das aber glaub ich nicht der Fall. Die Korrektur aus dem Zensus ist nicht als Schrumpfung auszulegen.
Selbige Überlegungen habe ich beim Vergleich der Wachstumsraten der Bundesländer gemacht:
http://erleutherung.blogspot.de/2013/04/berlins-wirtschaftswachstum-ist.html
http://erleutherung.blogspot.de/2012/10/statistische-tauschung-der-osten-holt.html
Ihre Zweifel bezüglich der Aussagekraft der Inflationsrate teile ich auch, allerdings ist meiner Ansicht nach die Inflationsrate eine Größe die per Se immer Falsch ist, da sie alle Preisänderungen in eine Zahl quetscht, was schlichtweg eine sehr starke Vereinfachung ist.
http://erleutherung.blogspot.de/2013/03/kennzahl-inflation-der-irrglaube-es.html
Warum Sie die Photovoltaik-Förderung oder Gefängnisse rausrechnen wollen, leuchtet mir allerdings nicht ein. Auch Fehlentscheidungen sind Entscheidungen. Die Arbeitsplätze die beim Festschrauben der Solarmodule entstehen sind ja echte Arbeitsplätze. Genau wie die Arbeitsplätze die verschwinden weil die Leute statt mal mit der Familie Eis essen zu gehen Solarprämie zahlen, echte Arbeitsplätze sind.
Danke für die schnelle Reaktion.
AntwortenLöschenBau und Unterhalt von Gefängnissen und Förderung der Photovoltaik durch die Stromverbraucher führte ich als Beispiele für Staatsbetriebskosten bzw. staatlich gesteuerte Allokation von Ressourcen an. Ausweitung der Staatsquote schafft zunächst Arbeitspätze (nicht nur im öfftl.Dienst, sondern auch in den Unternehmen, die sich auf neue staatl.Regelungen einstellen müssen), führt aber dann dazu, dass die Bereiche der Wirtschaft, die im "echteren" Wettbewerb stehen, geschwächt werden und letzten Endes weniger Arbeitsplätze im Wettbewerb bestehen können und irgenwann auch einmal wieder Stellen im öfft. Dienst abgebaut werden, Regelungen vereinfacht werden, weil man sich einen so bürokratischen Staat auf Dauer nicht leisten kann, wie z.Z. in Griechenland. Zugegeben, das hört sich jetzt sehr marktliberal an, was sich in der letzten Zeit nicht gut macht (Sozialisierung der Kosten zur Rettung des Euros durch Abfangen der Risiken durch den Staat ist eben NICHT marktwirtschaftlich... - anderes Thema).
Ich habe inzwischen alles von Ihrer Website gelesen und finde viele Dinge wieder, die mir - neben oder gegen den Mainstream der öfft. Meinung - ebenfalls so oder ähnlich durch den Kopf gehen: Die gute alte Tante Emma gegen den ausbeuterischen Albrecht-Discount, Wasser sparen in einem der mit Wasser gesegnetesten Gebiete dieser Erde / Fixkosten-Verdrängung, Ächtung des gewerblichen Wohnungbaus, Gleichstellung der Frau vor dem Hintergrund der früheren Wehrpflicht (früher auch noch 5 Jahre früher in Rente gegangen trotz 6 Jahre längerer Lebenserwartung), usw.
Mit einem Wort: Selten so viele Statements auf einer kleinen Website gesehen, die von mir selbst stammen könnten - aber viel detaillierter auf den Punkt gebracht, als ich das tue.