Freitag, 25. Mai 2012

Hilft es wenn man Ökostrom kauft? (Nein)

Produzierter Ökostrom: 16,8% des Stromverbrauchs, gekaufter Ökostrom 1,2% der Nachfrage; Differenz: 15,2% der Nachfrage
Absatzstruktur des Ökostroms in
Deutschland 2010.
 
Von Umweltverbänden, aber auch von den Grünen und manchen in der SPD , sowie von Jan Böhmermann und
Charlotte Roche (Video direkt an der Stelle) wird 
kommuniziert man könnte seine "persönliche Energiewende" oder seinen "persönlichen Atomausstieg" machen, wenn man nur seinen Stromtarif auf Ökostrom umstellt. Aber funktioniert das so einfach? Die kurze Antwort ist Nein. Die lange Antwort ist:



1) Im Jahresmittel 2010 hat Deutschland 16,8% seines Energieverbrauches mit den erneuerbaren Energien hergestellt. [Quelle BMU] Der Stromexport, der zu damaliger Zeit getätigt wurde, wird hierbei komplett als Nicht-Erneuerbaren angerechnet [=>Anmerkung 1]. Das heißt aber auch das 83,2% des hier verbrauchten Stromes nicht aus  Erneuerbaren Energien stammt.


2) In Deutschland liegt der Anteil des privaten Stromverbrauches bei gerade einmal 26,6% (ebenfalls 2010)

3) Für Ökostrom gibt es in Deutschland das Erneuerbare Energien Gesetz [§], dieses garantiert eine Vorrangeinspeisung, und eine fixe Vergütung, welche davon abhängt mit welcher Technoologie der Ökostrom hergestellt wurde, und wann die Anlage errichtet worden ist. Diese Preise liegen ein vielfaches über dem Börsenpreis, und werden mit einem Aufschlag auf den Strompreis der Endverbraucher - der so genannten EEG-Umlage - finanziert.


1+2) Um den Ökostrom durch private Verbraucher zu decken, müssten 63,2% der privaten Stromkunden -den andere werden kaum Ökostrom kaufen, von einigen Marketing- Aktionen abgesehen- einen Ökostromtarif wählen um den Ökostrom welcher bereits heute produziert wird nachzufragen. Dies ist aber nicht der Fall, nur 1,2% des Strommarktes auf Verkaufsseite, sind Ökostrom, das bei 16,8% Versorgungsgrad. Also wird nur jede 14 Ökostromkilowattstunde als solche verkauft, also gerade mal 7%; Ganze 93% des Ökostroms werden also als konventioneller Strom verkauft. (Siehe Grafik)



Daraus folgt: Ökostrom in Deutschland wird allein durch das EEG in den Markt gebracht. Die Höhe des EEG-Satzes, nicht die Anzahl der Ökostromkunden, entscheidet, ob sich eine Investition in den Ökostrom lohnt oder nicht. Dies ist so lange der Fall bis die Nachfrage nach Ökostrom höher ist als die Produktion, erst dann kommt der Ökostrom aus dem "Windschatten". Denn von den 16,8% Versorgungsgrad werden wie bereits bemerkt nur 1,2% als Ökostrom verkauft. Die anderen 15,6% Ökostrom lohnen sich also auch ohne entsprechende Ökostromkunden, denn Sie werden von allen Subventioniert. Und auch die 1,2% Ökostromkunden, profitieren bei Ihrer Stromrechnung davon das die anderen Stromkunden, diesen Ökostrom quersubventionieren, denn die EEG-Umlage zahlen alle, profitieren, davon tut nur der Ökostrom. Ökostrom unterstützen wir also alle, egal ob wir nun Ökostrom bestellen oder nicht.

Auch an einem Beispiel kann man entlarven, das da was nicht stimmen kann:
Dem Preisvergleich: (mit einem Klick direkt zum Tarif)
Greenpeace Energy: 24,80 Cent/kWh + 8,90 EUR/ Monat
Yello Strom*: 24,70 Cent/kWh + 5,89 EUR/Monat
*PLZ 13503, Tarif wie bei Greenpeace Energy ohne Mindestlaufzeit; 18 Mai 2012

Allein schon an der geringen Preisdifferenz von 0,4 %, lässt sich einiges erahnen. Meines Erachtens, das der Ökostom -wie im EEG Gesetz beschlossen- erst mit den Geldern aus der EEG-Umlage billigsubventioniert, auf das Niveau des Börsenpreises. Dann wird es dort zum identischen Preis an die Stromhändler verkauft, und dort wird die EEG-Umlage dann auf alle Stromarten aufgerechnet. Würde der Ökostrom durch die Nachfrage getrieben, dann gäbe es einen echten Preisunterschied, und die Ökostromkunden wurden einen Teil der Mehrkosten von Ökostrom tragen - und zusätzliche Nachfrage generieren.

Oder um es süffisant zusammenzufassen:
Ja, Ökostrom bringt was: Denn die Stromrechnung ist dann auf Recyclingpapier gedruckt.

Aber was mich stört: Hier wird die Bereitschaft der Menschen, etwas für die Umwelt zu tun, durch Falschinformationen schlichtweg Ihrer Wirkung beraubt. Denn die Leute denken ja tatsächlich, sie hätten etwas gutes getan, wenn Sie Ökostrom bestellen, vergleichbar mit denen die Wasser sparen.

Tipp: Wer beim Strom was für die Umwelt tun will, muss einfach weniger verbrauchen. Dann wird weniger Strom produziert, aufgrund des gesetzlichen Vorranges der Erneuerbaren Energien, ist der Strom der weg fällt, konventioneller Strom. Und schon ist der Umwelt, dem Klima und/oder unseren Energiereserven geholfen.

Grüße
Tim Leuther

Post Scriptum 29. Mai, 16 Uhr:
Oder um es anders zu erklären: Solange der Anteil der Ökostromkunden, am Ökostromverbrauch, sich in Größenordnungen bewegt, das nicht davon auszugehen ist, das dieser den Marktanteil der bereits durch das EEG entsteht, in einem für Investitionen relevanten Zeitraum erreicht und übersteigt, solange führt dieser auch nicht zu einem über das EEG hinausgehenden Anreiz in erneuerbare Energien zu investieren. Und solange ist es kein echter Ökostrom, sondern nur die Zuteilung von Ökostrom der sich sowieso im Netz befindet und reduziert im gleichen Umfang des eigenen Verbrauchs die "Beimischung" des EEG-Stroms unter die Bezieher von herkömmlichen Strom. Da die Ökostromkunden nur 7% der Ökostromproduktion verbrauchen, ist dieser Zustand Eindeutig gegeben.

Post Scriptum 25.Mai, 15 Uhr: 
Ich möchte anmerken, das ich herausgefunden habe das sich Windräder immer im Uhrzeigersinn und nicht gegen ihn drehen. In der Grafik ist somit ein kleiner Fehler. Der Grund für die Drehrichtung liegt an der Form der Rotorblätter. Eine Drehrichtung hat sich als Quasi-Standard durchgesetzt, weil eine parallele Herstellung von mehreren Drehrichtungen unökonomisch wäre.

[Anmerkung 1]: Länder welche Strom exportieren, geben die Ökostromproduktion immer im Verhältnis zum Stromverbrauch an. Wie zum Beispiel Brandenburg. Länder welche Strom importieren -wie zum Beispiel Bayern- geben die Ökostromproduktion immer im Verhältnis zur Stromproduktion an. Der Grund ist, das so der genannte Prozentsatz größer erscheint.

Anmerkung 29. Mai, 16 Uhr:
Eine Frühere Version verwies auf eine andere Quelle des BMU in Bezug, auf die Produktion von erneuerbaren Energien in 2010. Der Link funktionierte nicht mehr und wurde durch einen funktionierenden Link zum BMU verwiesen.

Kommentare:

  1. Sehr interessant!

    Dann bleibe ich aber allein wegen des Recylingspapiers und dem netteren Kundenservice beim Ökostrom von Naturstrom. ;-)

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  2. PS: Wobei mir gerade auffällt, dass es eben doch aus Umweltschutzsicht Sinn macht. Nämlich dann, wenn man Optimist ist und davon ausgeht, dass sich noch viele vom Wechsel zum Ökostrom überzeugen lassen. Sodass man aus dem von Ihnen beschriebenen Windschatten es EEGs rauskommt.
    Ich fände es auch wichtig, dass Sie dies nochmal klarstellen in Ihrem Artikel. Momentan macht sagt der aus: "Wechseln zu Ökostrom bringt der umwelt nix", was die Menschen unnötig falsch/negativ beeinflussen wird, korrekter wäre die Aussage "Es bringt der Umwelt bzw erneuerbaren Energien nur etwas, wenn sehr viele wechseln - Mach Du den ersten Schritt!".

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    1. Ja, ABER die über Jahre mühsam gebildete Quote von 1,2% müsste sich schlagartig vervierzehnfachen, und ab dam mit den Wachsumsraten der erneuerbaren Energien mitwachsen. Und jetzt kommt es dicke: Wenn dann der Punkt erreicht ist, wo die Ökostromnachfrage, den Zubau von erneuerbaren Energien über die EEG-Zubauraten "anschiebt", in dem Moment wird er teurer sein, als normaler, konventioneller Strom. Denn es wäre ja genau dieser Preiszuschuss, der mehr Zubau bewirkt, vergleichbar mit einer EEG-Erhöhung, nur das dieses mehr von den EEG-Kunden getragen würde. Und genau, zu diesem Zeitpunkt würden, dann einige EEG-Bezieher wieder abspringen. Denn sogar bei den bescheidenden 1,2% sind ja viele drunter die Ökostrom nur deshalb beziehen, weil es ja "eh nicht mehr kostet". Das meinte ich auch vorhin mit zusätzlichen Kosten, nicht die EEG-Umlage (falls du lukita bist). Und noch eines ist anzumerken: Bei 26,6% ist Schluss. Denn das ist der Anteil, welcher der Privatverbraucher verbraucht. Und das energieintensive Industrie, dann teureren Ökostrom kauft, das ist nun sehr unrealistisch. Müsste aber bald passieren, denn der erneuerbaren Energie-Anteil steigt ja laufend. Die theoretische Volldeckung der Privathaushalte ist nicht mehr fern. Die Zahlen sind ja (alle, daher kann man sie auch miteinander verrechnen) von 2010.

      PS: Ja, falls der Kundenservice besser ist, ist das ein Argument. Naturstrom ist sicher auch nicht teurer als Greenpeace. Und damit auch nicht als Yello-Strom, oder irgend ein x-Belibiger strom. Ich hab nur Yello und Greenpeace genommen, weil ich davon ausgehe das Sie die exakten Gegenteile von öffentlicher Sympathie sind. Auf der einen Seite ein "Atomkonzern" auf der anderen "Stromproduzierende Umweltschützer". Nur seltsam das es dann gleich viel kostet. Wäre so wie wenn Demeter-Hackfleisch, genauso viel kostet wie abgepackt beim Discounter. Da würde man ja auch mal nachfragen.

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    2. Anmerkung: Die 1,2% beziehen sich auf die Gesamtnachfrage. Unterstellt es seien ausschließlich Privathaushalte, dann sind es 4,5% der Nachfrage der Privathaushalte. Ich kenne zwar auch einzelne Firmen, die Ökostrom beziehen, das sind aber oft auch keine großen Stromverbraucher, und andererseits würden die sehr genau nachrechnen, wenn Ökostrom teurer würde, als konventioneller. Aber genau erst dann bringt es ja was.

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    3. Naturstrom ist sogar billiger (23,4 ct/KWh + 7,95 EUR/Monat), als der von Yello. Das führt natürlich alles ad-absurdum...

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  3. Die Argumente, einen der vier Ökostromanbieter in D zu unterstützen (denn das ist es ja letztendlich, was wir tun - mag es für andere wiederum auch nur Gewissensberuhigung sein), sind eben doch vielfältiger, als dein Text suggeriert. Mein Hauptgrund besteht darin, dass ich mein Geld schlicht bei manchen Unternehmen nicht "anlegen" will. Zählt doch neben besseren Kundenservice und Schriftverkehr auf Recyclingpapier irgendwie auch, oder?

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    1. Die Ökostromunternehmen suggerieren aber anderes. Stichwort Stromsee. Die Ökostromunternehmen suggerieren ganz klar, das man den Strommix beeinflusst. Nebenbei: Anlegen tut man in beiden Fällen nichts.

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    2. Naja, die Problematik ist ja nicht der Umgang mit dem Strom bei dieser Fragestellung, sondern eben einfach die Clique, die als Rattenschwanz am Umsatz dranhängt. Ich persönlich habe ganz sicher gkeine Lust einem Herrn Clement seine Ministerpensionen aufzubessern. Also schaue ich mich bei Genossenschaften um. Ganz einfach.

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    3. @Harald
      Na, das ist ja Polemik. Auch hinter Genossenschaften sitzen Kapitalgeber. Und wie viel "Rattenschwanz" am Umsatz dranhängt sieht man ganz einfach am Strompreis. Einfach den günstigsten nehmen, dann zahlt man am wenigsten für irgendwen Pension.

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  4. Zusatz: ich verstehe natürlich, dass du das auch gar nicht infrage stellst. Ich meine nur, dass es durchaus viele gute Argumente abseits des "selbstgemachten Atomausstiegs" gibt. Letzterer ist natürlich wie eben von dir dargestellt Quatsch, da es eben an den 73,4% hängt..

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    1. Hallo Julian, was sind jetzt die 73,4%? Ich komm auf 83,2% Nicht-Ökostromproduktion, anteilig an der Nachfrage sowie 98,8% Nicht-Ökostrombesteller, anteilig an der Nachfrage.

      Liebe Grüße
      Tim Leuther

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  5. Hallo Tim,

    zum Teil gebe ich dir recht. Ein nicht unerheblicher Anteil der Ökostromanbieter kauft beispielsweise direkt oder indirekt von norwegischen Wasserkraftwerken Strom. Diese Kraftwerke stehen ohnehin, sodass kein ökologischer Vorteil entsteht.

    Deine Argumentation ist trotzdem falsch. Man kann nicht aus den Tatsachen, dass es in Deutschland einen Erneuerbarenanteil von ca. 20% gibt, aber nur ca. 2% des Stroms als Ökostrom verkauft wird, schlußfolgern, dass der Bezug von Ökostrom nichts bringt!

    Tatsächlich ist es so, dass diese 2% (angenommen alle kaufen bei "richtigen" Ökostromanbietern) die 20% in die Höhe treiben. "Richtige" Ökostromanbieter fördern den Ausbau der Erneuerbaren. D.h. wenn ich einen Vertrag bei einem "richtigen" Ökostromanbieter abschließe, sorge ich dafür, dass mehr Erneuerbare errichtet werden. "Richtige" Ökostromanbieter investieren in Erneuerbare, dies können sie umso mehr tun, je mehr Kunden sie haben.

    Welche Anbieter "richtig" sind kann man den Zertifikaten sehen. Siehe z.B. hier:

    http://www.strom-prinz.de/Oekostrom-Zertifikate/

    Z.B. findest du dann unter OK-Power-Label folgendes:

    "Ein "zusätzlicher Umweltnutzen" entsteht dann, wenn die Nachfrage nach einem Ökostromprodukt zu einer Ausweitung der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien führt, die über die Strommenge hinausgeht, die aufgrund öffentlicher Fördermaßnahmen ohnehin erzeugt wird."

    Teilweise sind die Zertifikate Augenwischerei, andere aber auch nicht. Sie werden z.B.von Umwelt- oder anderen Organisationen vergeben und überprüft. Diese haben keinen Anreiz sinnlose Zertifikate auszustellen. Warum sollte man also glauben, dass "richtige" Ökostromanbieter keine ZUSÄTZLICHEN Erneuerbaren errichten?

    Zusammengefasst, kommt es darauf an bei welchem Ökostromanbieter man Kunde wird. Einen so langen Text wie du ihn verfasst hast ohne auch nur ein Wort über diese Argumentation bzw. Zertifikate zu verlieren, finde ich schlecht recherchiert. Theoretisch könntest du ja sagen, die Zertifikate bringen nichts bzw. die Zusätzlichkeit stimmt nicht(auf Argumente bin ich gespannt), aber das Thema kannst du in dieser Debatte nicht weglassen.

    Beste Grüße,
    Olli

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    1. Hallo Olli,
      meiner Ansicht nach sind die ganzen "Zubau-Konzepte" Augenwischerei, da nicht der Kapitalmangel das begrenzende Element für den Zubau der Erneuerbaren Energien ist. Wer in Erneuerbare Energien investiert, dessen Rendite bestimmt sich an den Einspeisevergütungen im EEG. Würden sich nun die "echten" Ökostromanbieter um den Zubau in einer Weise bemühen das Sie in Projekte Investieren, die so unattraktiv sind das Sie andere -rein Gewinnorientierte- Investoren nicht tätigen würden, dann müsste sich dies in einer Preisdifferenz zwischen konventionellen und Ökostrom ausdrücken. Tut es aber nicht. Insofern liegt der Verdacht nahe, das der Zubau hier nur in Projekte geschieht, die eh getätigt würden, aus rein gewinnorientierten Interessen.

      PS: Ich habe zu aller Vorsicht gleich Greenpeace-Strom als Maßstab genommen. Ich denke das ist "richtiger" Ökostrom und eine Umweltorganisation hat da ihr OK zu gegeben, auch wenn Greenpeace Energy und Greenpeace juristisch zwei verschiedene Dinge sind.

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    2. Hallo Tim,
      ein erheblicher Teil der Ökostromanbieter betreibt Augenwischerei. Aber sicher nicht alle: Beispielsweise garantiert Naturstrom das 1ct/kwh des Strompreises für die Errichtung neuer Anlage genutzt wird.
      Dein Kein-Kapitalmangel-Argument lasse ich nicht gelten. In einem perfekten Markt mit ausreichendem Kapital würden, gegeben das durch das EEG die Rendite quasi gesichert ist, sofort alle Erneuerbarenpotenziale genutzt werden. Das ist offensichtlich nicht der Fall. Die Mehrzahl der PV-fähigen Dächer, hat keine PV-Anlage auf dem Dach. Auch für Wind, Biomasse, (kleine) Wasserkraftwerke, Geothermie usw. sieht es so aus. Wenn es nun Unternehmen wie Naturstrom gibt, die von Verbrauchern Geld bekommen, was sie explizit für den Bau von Erneuerbaren Energien verwenden müssen, wird das bestehende Erneuerbarenpotenzial schneller ausgenutzt. Somit erfolgt ein schnellerer Ausbau der Erneuerbaren Energien. Andere mögliche begrenzende Faktoren wie z.B. die Produktion von PV-Anlagen gibt es ebenfalls nicht. Eine gute und glaubhafte Quelle (da sie im Allgemeinen neutral sein sollte und als Ziel vor allem niedrige Strompreise hat) ist die Bundesnetzagentur, genau genommen der jährliche Monitoringbericht (ein sehr langer Link...):
      http://www.bundesnetzagentur.de/SharedDocs/Downloads/DE/BNetzA/Presse/Berichte/2011/MonitoringBericht2011.pdf;jsessionid=990D41DFDD8D71C9C6612932B523D409?__blob=publicationFile

      Ab Seite 150 findest du dort Informationen zu Ökostromtarifen. Einerseits findest du dort dein Argument, die Nachfrage nach Ökostrom zu gering ist um direkt neue Anlagen anzureizen. Wobei auch hier anzumerken ist, dass deine Zahlen falsch sind: Fast 6% des Stroms wird als Ökostom gehandelt. Dabei bestehen die Nachfrager nicht nur aus Haushalten wie du vermutest, sondern auch 5.2% "weiterer Letzverbraucher" fragen Ökostrom nach. Die Ökostromnachfrage ist von 2009 auf 2010 um 57% gestiegen! Der Anteil der Erneuerbaren Energien garantiert um wesentlich weniger. Es ist also nicht auszuschließen, dass zukünfitg allein durch die Nachfrage nach Ökostrom Erneuerbare Energien gebaut werden. Damit wackelt ein großer Teil deiner obigen Argumentation.

      Wichtiger ist aber trotzdem das auch aktuell durch die Zusätzlichkeit von "richtigen" Ökostromanbietern mehr Erneuerbare Energien gebaut werden. Eben, wie ich schon gesagt habe, dadurch das ein Teil des in Deutschland befindlichen Kapitals gezielt in den Ausbau erneuerbarer Energien gelenkt wird. Das die Zusätzlichkeit gegeben ist, kann man auch daran erkennen, dass noch sehr große Erneuerbaren Potenziale vorhanden sind.

      Das bestätigt auch die Bundesnetzagentur:
      "Hierbei konnte festgehalten werden, dass insgesamt 2,75 TWh also knapp sieben Prozent der gelabelten und nicht gelabelten Ökostrommenge aus entsprechenden neuen und nicht geförderten Anlagen stammen. Bei den gelabelten Ökostromengen ergibt sich je nach Label ein Anteil von null bis 30 Prozent Ökostrom aus neuen nicht geförderten Anlagen an der gesamten Labelmenge."

      Dabei siehst du außerdem, dass ein nicht unerheblicher Anteil, der von Ökostromanbietern erricheten Anlagen gar nicht vom EEG gefördert wird! Spätestens bei diesem Punkt, ist deine Antwort auf die gestellte Frage (Nein) widerlegt.

      Die Antwort auf deine Frage, hängt damit zusammen bei welchen Ökostromanbieter man Kunde ist! Das Problem ist, dass ein großer Anteil der Anbieter Augenwischerei betreibt und nicht, dass das Prinzip Ökostromanbieter prinzipiell nicht funktioniert!

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    3. Zum Schluss noch etwas zu den Preisen: Tatsächlich liegen die Preise von Ökostromanbietern leicht über denen von konventionellen Anbietern (zwischen 0.1 und 0.7ct/kWh, siehe Bundesnetzagentur S.152-153). Den geringen Unterschied als Indikator für deine Theorie zu nehmen halte ich grundsätzlich nicht für zulässig, aber darauf möchte ich gerade nicht hinaus. Der Punkt ist, dass es auf dem Strommarkt große Wettbewerbsprobleme gibt. Die meisten Haushalte (43.5% Bundesnetzagentur S.143, Insgesamt habe die Grundversorger einen Anteil von 84.5%!) wechseln nicht ihren Standardanbieter bei dem man als Standard einen konventionellen Vertrag hat. Hier gibt es folglich starke Preisaufschläge (wegen der geringen Preiselastitzität). Das kann man auch im Bericht der Bundesnetzagentur nachlesen: Durchschnittlich zahlt man bei einem Grundversorger 25.88 und bei einem Vetragswechsel 25,09 ct/kWh. Zusammen mit dem geringen Unterschied zwischen Öko und konventionellen Anbietern insgesamt, den ja auch du schon siehts, können wir davon ausgehen, dass der Unterschied bei einem Vetragswechsel zu einem Nicht-Grundversorger (d.h. zu einem Anbieter der halbwegs starken Wettbewerb ausgesetzt ist) zwischen Ökostrom und konventionellen Anbietern bei über 1ct/kWh liegt. Wie oben erwähnt, zahlt z.b. Naturstrom 1ct/kWh für neue Erneuerbare Energien. Der Unterschied zwischen konventionellen und Ökostromanbietern ist damit auch nach deiner Agrumentation ausreichend groß (wobei ich, wie gesagt, das nicht als allzu sinnvollen Indikator sehen würde).

      Grüße,
      Olli

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    4. Den Vertrag sollte man auf jeden Fall wechseln. Ich habe wie im Artikel steht Greenpeace mit Yello verglichen. Da hab ich wie gesagt keinen Preisunterschied festgestellt. Das sind die beiden prägnantesten Marken.

      Sind die von dir beschriebenen nicht geförderten Anlagen
      a) in Deutschland
      b) jünger als 20 Jahre

      Weil die EEG Umlage läuft ja eh aus.

      Den Artikel hab ich geschrieben, weil die Ökoanbieter immer über den Stromsee argumentieren. Nun wird aber eindeutig der meiste Ökostrom als konventioneller Strom verkauft.

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    5. naja, dass Greenpeace und Yello die prägnantesten Marken sind, mag deine persönliche Sicht sein. Ich habe allerdings eine objektive Studie als Quelle angegeben. Da - wie gesagt - gibt es einen Preisunterschied, das sollte doch relevanter sein. Der Preisunterschied wird noch größer wenn man bedenkt, dass viele Grundversorger (aufgrund der geringen Preiselastizität der Nachfrage) zu höheren Preisen anbieten als sie müssten.

      Aber dein Preisunterschiedsargument finde so oder so nicht relevant. Der entscheidene Fehler deines Textes ist, dass du die Zusätzlichkeit von neuen erneuerbaren Energien nicht thematisierst. Dies ist - wie gesagt - je nach Ökostromanbieter gegeben oder nicht. Grundsätzlich funktioniert dieses Prinzip aber, da es durchaus noch mehr Kapital für erneuerbare Energien geben könnte, dass die Potenziale (Dächer, Flächen für PV, Wind,...) nutzt und den Ausbau Erneuerbarer Energien vorantreibt. Genau das machen "richtige" Ökostromanbieter.

      zu a) für den ökologischen Nutzen (darum geht es in deinem Text) spielt es keine Rolle, ob man die Anlagen in Deutschland oder sonst wo errichtet.

      zu b) Wie ich auch schon in einem anderen Kommentar geschrieben habe, ist es eine Voraussetzung für den Erhalt eines "richtigen" Zertifikats, dass man neue zuätzliche Anlagen errichtet. Also ja, sie sind jünger als 20 Jahre. Insbesondere gibt es bei den zertifizierten Ökostromanbietern einen Anteil zwischen 0 und 30% an Ökostrom aus NEUEN und NICHT GEFÖRDERTEN Anlagen (Bundesnetzagentur, siehe auch meinen Kommentar oben). Wenn man einen "richtigen" Ökostromanbieter wählt, hat man mit den 30% schon einiges erreicht, dazu kommen noch die neuen geförderten Anlagen, die ja ZUSÄTZLICH errichtet werden. D.h. trotz EEG würden diese (noch) nicht stehen. Der Ausbau der Erneuerbaren geht also schneller!

      Dass Ökostromanbieter meistens (nicht immer) über den Stromsee argumentieren stimmt. Allerdings ist das lediglich Marketing. Die Frage deines Textes ist ob es hilft wenn man Ökostrom kauft. Die richtige Antwort darauf ist "ja, aber es kommt darauf von welchem Ökostromanbieter".

      Zusammengefasst benutzt du einige falsche oder veraltete Zahlen, stellts Zusammenhänge auf, die es so nicht gibt und übersiehst das entscheidene Argument warum Ökostromabieter "helfen". Ich denke warum das so ist, habe ich nun ausführlich genug dargestellt. Statt also "moderne Öko Mythen" aufzudecken, vernebelst du das Thema eher.

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    6. *Das ich die Grundversorgungstarife nicht einbeziehe ist doch vollkommen logisch. Es gibt absolut keinen logischen Grund das mit einzubeziehen.

      *Die Ökostromanbieter reden selbst von "Stromsee" und geben so Anlass zu denken das man diesen mit Ökostromtarifen "leeren" könnte, obwohl das fern ab jeder realistischen Einschätzung ist. Und wenn Sie sagen es ist nur Marketing, dann sage ich: Das stimmt, daher dieser Artikel, weil es mich nervt das man den Leuten so dreist in die Tasche lügt. Und das die Leute sich selbst in die Tasche lügen und glauben man kann das als Ablasshandel verwenden.

      *Natürlich spielt es eine Rolle wo die Anlagen stehen, wenn Sie nicht in Deutschland stehen, gibt es keine EEG Umlage

      So und jetzt zu Ihrer Quelle

      "Die erhobenen Investitionen im Rahmen der Ökostromtarife konnten aufgrund zahlreicher
      Unplausibilitäten nicht ausgewertet oder nachträglich verifiziert werden. Zudem wurde von
      vielen Elektrizitätslieferanten häufig darauf verwiesen, dass Investitionen vom Vorlieferanten
      getätigt werden und somit nicht festgestellt werden konnten."

      => Ergo: Bis jetzt nur Reklame. Auf diesem Weg gibt es nähmlich 3x soviele Stellen wie man Strom umettiketieren kann, das es schon unseriös erscheint. Und da die einen schon mit der Stromsee-Theorie hinters Licht geführt haben, wäre ich hier nicht so gutgläubig. Man kann gerade bei diesen Investitionen so viele Zahlen verdrehen. So macht es einen Unterschied ob man einen Cent/kwh investiert, oder mit einem cent/kwh eine Investition unterstützt/subventioniert. Daher halte ich das ganze "Wir investieren mit einem Teil des Geldes in Ökostrom"-Gerede für eine Vernebelung, insbesondere dann, wenn der Strom gar nicht teurer ist. Zahlen werden Schnell zu durchlaufenden Posten, es ist wie wenn man den Wasserpegel auf der einen Seite des Schwimmbeckens abheben will und dafür auf der einen Seite Wasser dazukippt. Der Nicht-Höhere Preis deckt das dann auf. Denn auch die können nicht Zaubern, und wenn Sie dem Ökostrom helfen -in dem Sinne das etwas geschieht was ohne Sie nicht geschehen würde- dann kann das nicht ohne Mehrpreis erfolgen. Daher ist der Preis sehr wohl ein indikator.

      *Der höhere Preis von 1,3 cent bezog sich auf die Preissteigerung im Ökostrom in 2010/11. Insgesamt wird dort nicht davon gesprochen das für Haushaltskunden der Ökostrom teurer ist.
      "Ökostromtarife sind somit zum
      1. April 2011 im mengengewichteten Durchschnitt um rund 0,1 ct/kWh günstiger als die über
      konventionelle Tarife mengengewichteten Haushaltskundentarif."

      PS: Ich benutze keine veralteten Zahlen, da oben steht Mai, nicht November. Das Veröffentlichungsdatum des Monitoring-Berichts hab ich auf die Schnelle nicht gefunden, einige seiner Quellen stammen aber ebenfalls vom Mai. An den Grundsätzlichen Zusammenhang (siehe Grafik) hat sich aber sicher nichts geändert.

      Liebe Grüße
      Tim Leuther

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  6. Demnach wäre es am Sinnvollsten zum billigsten Stromanbieter zu wechseln und den gesparten Betrag in nicht von dem EEG geförderte Anlagen zu stecken - korrekt?
    Wo kann bzw sollte man das tun?

    Gibt es eigentlich eine Begrenzung wie viele Anlagen pro Jahr durch das EEG finanziert werden? Wenn nicht, liegt es ja ausschließlich an zu geringen Investitionen in (durch das EEG finanzierte) neue Anlagen, dass wir noch nicht einen deutlich höheren Anteil Ökostrom am Strommix haben.

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    1. Es gibt auch andere Begrenzungsfaktoren wie das Kapital. Zum Beispiel Standorte. Und Zulassungen.

      Im Moment ist es das Netz, das den Strom nicht aufnehmen kann. Von dem Strom das abgeschaltete Windräder nicht produzieren, könnte man vermutlich mittlerweile ein kleineres Bundesland/ eine Großstadt versorgen.

      Nebenbei: So viel sparen Sie ja nicht wenn Sie keinen Ökostrom kaufen, das ist ja meine Aussage. Vergleichen Sie einfach mal.

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  7. 4000KWH bei Naturstrom (dem billigsten der echten Ökostromanbieter) kosten aktuell 1125,40 pro Jahr. Billigstes Angebot bei Verivox beim ersten kurzen Vergleich 827,39 €.

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